Wie halten Fische die Luft an - Leseproben


Frühe Stunde


Sätze steigen auf
wie Vögel vom Schlafbaum
Geflüster, gefiedert, wir
suchen uns Flugwind
als wär es ein Kinderspiel
worten wir aus
ohne Komma und Punkt.

 

 

Warme Fährte


Schnee war gefallen
im stumpferen Licht
lag er oben am Waldrand
wie graublaues Fell.


Ich ging übers Land und hinauf
folgte ziellos der Spur eines Rehs
und verlor mich zum Mittag
ganz licht und ganz leicht im Gehölz.


Morgen, vielleicht
klopf ich die Gegenwart
leis aus der Sohle, vielleicht
trag ich sie fort.

 



Großmutters Mund war ein Keller


                                                        , ich roch, wenn sie küsste, den Lehm und den Schimmel, die Pilze, ich schmeckte in Falten die Stangen und Wurzeln und Knollen, die Äpfel | im Winter |


                                                ich weiß noch, im Winter sinds Äpfel, das Kind hat die Wangen voll Zungen für | Boskop | wird sonntags geschält, eine Häutung zu zweit, wie im Buch, wie im Film | die Apachen | skalpieren | die Schrumpfköpfe | winden sich, ringeln sich, Kringeln sind traumhafte Schleifen, Trophäen | Triumphe |


                                    in Zeiten des Friedens | begriff ich die Schärfe des Messers, ich wollte noch mehr, wollte alles, die Mond- und die Montage, Großmutter, hautnah, Kartoffeln, Karotten, wir hüpften mit Kriegsschmuck | ums innere Feuer | wuchs lange kein Gras.

 

 


Madeleine


Leerschlag für Leerschlag
wächst die Geschichte zum Rand:
Eine Frau und ein Mann und
kein Kind schreit – getaktete Stille
Land ohne Boden, beackert
aufs Wort.


Dahinter, darunter
ein brennender Blick
die Töne von Wasser und
undenkbar frei atmender Wind.

 

 


Drei Schwestern


Ich treibe auf beinlangen Stämmen
gehäutetes Totholz, kein Wind fällt
nur backbord
verwirrt sich am Knorren ein wildfremdes Haar.


Dort vorne drei Gipfel
der Dunst zeichnet weiche Konturen
die Schwestern in Schiefer verschwimmen talauf –
und ich wende auf offenem See.

Seit Jahren mein einziger Bruder
kriech ich beim Rastplatz ans Ufer
im fahleren Licht
bin ich nichts als mein dunkelstes Wort.


Lai da Palpuogna, Trais Sours, Albulapass


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Lesungen

27. August 2020
Gottlieben, Literaturhaus Thurgau, Bodmannhaus, 20h.

9. September 2020
Hedingen ZH, Gemeindebibliothek, 20h.

12. September 2020
Wettingen, Hof im Kloster, 18.30h und 20h.
Andreas Neeser und das Stella Maris Orchestra in der Serenade «S wird nümme, wies nie gsi isch».
Kammermusik von Bach bis Mieg mit Mundarttexten von Andreas Neeser.

13. September 2020
Zofingen, OXIL, 17h.
Zusammen mit Christian Haller, im Rahmen des Mundartprojekts «Hunziker2020».

22. September 2020
Luzern, Loge, 20h.
Mit Lisa Elsässer und Gisela Widmer.

26. September 2020
Bern, Schlachthaus Theater, ab 14h.
Soldarität mit Belarus

1.-4. Oktober 2020
Arosa, Mundartfestival

13. Oktober 2020
Suhr, Gemeindebibliothek, 19.30h.

21. Oktober 2020
Zürich, Karl der Grosse, 21h.
Das Wortlaut-Literaturfestival bei «Zürich liest».
Moderation: Gallus Frei-Tomic

22. Oktober 2020
Zürich, Quartierkultur Kreis 6, 20h.
Im Rahmen von «Zürich liest».

25. Oktober 2020
Wettingen, Aula Kantonsschule, 10.30h
Zusammen mit Claudia Storz, im Rahmen des Mundartprojekts «Hunziker2020».

2. November 2020
Suhr, Leben Suhr, Gemeinschaftsraum Zopfmatte, 19h.
Abgesagt wegen Corona-Pandemie

8. November 2020
Birmenstorf, Gemeindehaus, 16h.
Abgesagt wegen Corona-Pandemie

9. November 2020
Schöftland, Schloss, 20h.
Abgesagt wegen Corona-Pandemie

10. November 2020
Luzern, Schullesung Gymnasium

12. November 2020
Luzern, Lesung im privaten Rahmen, 19h.
Abgesagt wegen Corona-Pandemie 

13. November 2020
Luzern, Schullesung Gymnasium

 

 

5. Mai 2021
Zürich, Literaturfenster im Hottingersaal, 19.30h.

11. Mai 2021
Obersiggenthal, Gemeindesaal, 19.30h.

 
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